Die schwere Entscheidung gegen Kinder

Die Welt tut so als ob es irgendwann um die Entscheidung für Kinder geht, doch die Entscheidung gegen Kinder ist eigentlich die wahre, schwere Entscheidung!

Ich sage nicht, dass das Leben ohne Kinder schwerer ist – ganz im Gegenteil. Das Leben ohne Kinder ist ganz offensichtlich einfacher, denn man hat eine große Verantwortung und viele Pflichten weniger. Das Leben als Mutter erfordert Kraft und Mut! Bei der Entscheidung aber für bzw. gegen Kinder, ist es genau anders herum.

Wenn man sich für Kinder entscheidet, dann tut man das was zum Leben dazu gehört – was erwartet wird. Wenn man sich gegen Kinder entscheidet, ist etwas anders als normal.

Ich werde immer mit dem Gefühl durchs Leben gehen, dass ich einen ganz entschiedenen Aspekt in meinem Leben nicht hinbekommen habe, und dass ich entschiedene Weichen falsch gestellt habe, dass ich es nicht geschafft habe eine Familie zu gründen. Und das liegt nicht nur an den Erwartungen aus meinem Umfeld, sondern auch an dem ganz tief verwurzelten Bild in mir, von dem wie (m)ein Leben auszusehen hat. Das liegt schwer auf meinem Herzen.

Nun ist es ein Jahr her dass ich schwanger war und eine Fehlgeburt hatte. Ich werde bald 40 Jahre alt und ich werde das Thema für mich abschließen und wir werden aufhören zu probieren. Ich habe zu viel Respekt was nun schief gehen kann. Ich habe seit dem letzten Jahr und rund um diese Entscheidung so viele Gefühle zu verarbeiten, Unsicherheit, Traurigkeit und Ängste – und ich finde es schrecklich, dass mir niemand einen Raum dafür gibt das zu besprechen und zu verarbeiten. Der Raum war und ist hier. Immerhin! – doch auch sehr schade.

Wo sind die Menschen die mich verstehen und mir zuhören wollen? Wenn ich damit beginne, geht niemand wirklich darauf ein. Und wenn doch, fühle ich mich nicht verstanden. Stattdessen gibt es nur Durchhalteparolen, wie „das wird schon!“, „ich kenne die und die, der ist das auch passiert, und die ist dann auch plötzlich schwanger geworden!“, und „warte ab bis … dann wirst du schon sehen!“ Vielleicht bin ich unfair, aber so fühlt es sich an.

Wo sind die anderen Frauen, die so fühlen und denken wie ich? Wo ist die echte Auseinandersetzung über das kinderlose Leben? Wer entscheidet sich irgendwann gegen Kinder, und wo wird das akzeptiert, ohne dass es als ein Makel oder Fehler im Leben stehen bleibt? Ich werde immer die Frau sein, die sich auf sich und ihre Karriere konzentriert hat, nie sesshaft werden wollte, und dafür das wichtigste im Leben aus den Augen verloren hat – bis es zu spät war. Dieses Bild von mir selbst und die Möglichkeit dass mich andere so sehen, kann ich so schwer abschalten… und das finde ich traurig.

Irgendwo in mir drin denke ich, dass das absolut in Ordnung so ist, aber meine Gefühle kommen nicht hinterher.

In unserem Umfeld haben sich im letzten Jahr die Babynews überschlagen. Jede Schwangerschaft nach meiner Fehlgeburt hat ein Pfahl in mein Herz geschlagen. Es tut weh, ich kann nichts dagegen tun. Was mich völlig aus dem Konzept geworfen hatte waren dann die Zwillinge, die vor wenigen Wochen bekannt gemacht wurden. Ich kann es nicht anders beschreiben als dass ich „fühle“: warum sie und nicht ich? Das ist so bescheuert, gemein, und charakterlos, ja! – aber warum haben es meine Kinder nicht geschafft?

War ich vorher immer die Frau die prima mit den Kindern der anderen klar kam, alles easy, habe ich gerade keine Lust mehr darauf. Mit den vielen Kindern auf dem Weg, wird der Freundeskreis damit verdammt klein mit dem ich mich wohl fühle, also muss ich daran arbeiten! Im Moment löse ich das Problem indem ich um Treffen ohne Baby zum Abendessen bitte. Finden meine jungen Mamis auch ganz gut. Ich fürchte aber dass wir als Kinderlose nie ganz dazu gehören können. Vielleicht in 6 Jahren, wenn sie alle zur Schule gehen und die Euphorie etwas abgeklungen ist…

Und was mich wirklich sauer macht, ist dass das gerade meine eigentlichen Qualitäten so wahnsinnig klein macht. Ich war immer sehr zufrieden und glücklich in meinem Leben! Ich habe es geliebt und mich nie den konservativen Weg gehen sehen. Und im Moment bin ich häufig deprimiert – das empfinde ich also so undankbar von mir, und ich bin sauer auf die Welt und mich selbst, dass sie mich dahin bringt so zu denken. So viele Dinge sind gut in meinem Leben! Ich möchte mich nicht so anstellen!

Eigentlich möchte ich noch weiter gehen und sagen, dass das vermutlich wirklich „mein Weg“ ist kinderlos zu sein. Ich empfinde aber, dass es wahnsinnig tabuisiert ist diesen Weg bewusst zu gehen. Liegt das an meinem Umfeld? Oder ist das Problem eins dass ich mit anderen teile? Egal wo ich hinschaue, überall geht es ums Kinder bekommen, es wird gefeiert und bejubelt – und ich habe keine Lust mehr darauf.

Kein Wunder dass man denkt, dass das Leben nichts wert ist, wenn man keine Mutter ist und so nie der Anlass für das Jubeln war.

Ich habe die Idee, dass es wahrscheinlich so ist wie es ist: Das Kinderlos sein wird als etwas bleiben, dass in meinem Leben eben nicht geklappt hat, das so gekommen ist. Jedes Leben hat Design-Fehler, und das ist eben einer meiner. Das Leben ist trotzdem schön und wertvoll, für mich und hoffentlich für andere!

Hoffentlich bin ich gerade einfach nur in der emotionalen Verarbeitung von allem was passiert ist, bis ich es so akzeptiere, und nicht mehr als einen nicht-verzeihlichen Makel erkenne – und es mich schon gar nicht daran hindert, die coole Tante meiner Nichte und all der kleinen Babys und Kinder zu sein, die schon da sind und noch kommen werden; und mich meistens anlächeln wenn sie mich sehen.

Alles Liebe!

Eure Lina


P.s.: Nach so vielen Wochen der erste Beitrag von mir, und dann so deprimiert. Sorry, ihr Lieben! … ich fühle mich gerade einfach verdammt einsam mit meinen Gedanken, und da muss mein Blog eben her… ich gelobe Besserung! – und jetzt schau ich mal nach was ihr so erlebt!

Unterschiede

„Wir passen überhaupt nicht zusammen!“ – Das war meine Standardaussage als mein Mann und ich uns kennengelernt haben. Es begann als Affaire, zumindest hatten wir dieses Label benutzt. Wir waren beide Single, aber zu feige um es „offiziell“ zu machen. Wir wollten unbedingt das Geheimnis waren, dass wir zusammen sind. Warum? Ich hatte vor allem einen Grund: Er wäre ohnehin nicht der Mann mit dem ich langfristig zusammen bleiben würde, und ich wollte nicht, dass mein Umfeld inkl. Freunde und Familie von diesem Übergangsmann erfahren.

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Männergeschichten

Ja, das Leben ist manchmal kompliziert und nichts ist unmöglich in der Liebe! Man verliebt sich, und das nicht immer in den richtigen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Es kommt zu aufregenden Begegnungen die nicht sein sollen, stürzt sich in Geschichten die ja doch zu nichts führen, und ist einfach nur in einem großen Auf und Ab der Gefühle. All das habe ich auch erlebt, und gehört ja irgendwie dazu – diese Dramen. Ist ja auch ganz spannend. Macht das Leben lebendig und aufregend!

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Mütterbesuch

Das Schicksal aller Menschen fern der Heimat ist, dass man seine Liebsten nur selten sieht, dafür dann aber gleich sehr intensiv. Würde man sich sonst ab und zu auf einen Kaffee treffen, verbringt man gleich ganze Wochenenden oder sogar Wochen miteinander. Das ist für alle erwachsenen Menschen herausfordernd. Für maximal-möglich emotional verstrickte Menschen manchmal eine Ausnahmesituation. Doch ich habe letztes Wochenende folgendes gelernt:

Schwiegermutter und Mutter zusammen sind viel besser als eine alleine!

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Der Urlaub war schön!

… wie oft haben wir den Satz schon gesagt, geschrieben, oder gehört: Der Urlaub war schön! Ich habe mal gelesen, dass das jeder sagt, weil ein nicht-schöner Urlaub einfach keine Option ist. Ein Urlaub hat schön gewesen zu sein, schließlich war man nicht arbeiten, hat u.U. viel Geld ausgegeben und war woanders als da wo man sonst ist! Andererseits bietet so ein Urlaub ja immer recht viel Raum für Zweisamkeit,… manchmal zu viel Zweisamkeit. Die Trennungsraten in/nach Urlauben sollen sich ja sehen lassen können, genauso wie an Weihnachten (hatte ich sogar schon mal). Man kann sich im Urlaub eben weniger aus dem Weg gehen und das was nicht stimmt lässt sich nicht mehr überlagern mit alltäglichen Dingen, die es zu tun gibt.

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Einmal Thekla Carola Wied und zurück

Ich war nun einige Zeit etwas untergetaucht, eingegraben von zu viel Arbeit und all dem Wahnsinn der uns gerade so begegnet. Ich habe viel zu viel gearbeitet in den Wochen, gekämpft und mich immer wieder in einen anderen Job gewünscht – wohl wissend, dass es auch dort (wo auch immer) diese Phasen geben würde.

So oft habe ich mir gedacht, nun ist es zu viel. Mit Bauchschmerzen ins Bett und dem Gedanken aufgewacht: Ich kann einfach nicht mehr! Wollte ich nicht immer schon Tierpflegerin sein? Hagenbeck ist nicht weit… Obwohl ich in den letzten Wochen ständig gearbeitet hatte, musste ich andere Dinge liegen lassen. Kollegen und Freunde warten lassen oder sogar ganz enttäuschen. Das zerrt an den Kräften und dem unbedingten Willen konstruktiv, gut gelaunt und selbstbewusst da durchzukommen.

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