Spinat oder Zucchini?

Auch an mir geht die vegane Welle nicht spurlos vorbei. Wie auch? In Hamburg-West. War es bis vor kurzem noch ausreichend gesundheitsbewusst und zeitgemäß sich als Vegetarier zu labeln, fühlt man sich heute wie ein Fast Food-Junkie wenn man Milch und Nudeln mag. Letzte Woche dann habe ich es getan! Ich habe mich eine Woche nur von dem ernährt was mein Gemüsehändler hergibt. Roh und ungekocht habe ich so sehr viel entdeckt. Die Samen des Granatapfels, die herrlich sättigende Wirkung von Avocados, die unerwartet herrliche Wiederentdeckung des Radieschens! Bis auf kleinere Ausrutscher in Richtung Haferflocken und dem heimlichen Naturjogurt (Sojajogurt reicht mir einfach nicht) ergänzt um Smoothies, war ich einigermaßen rohfutternd unterwegs. Ja, es war sehr, sehr lecker. Es hat mir gut getan! Ich habe schon lange nicht mehr das Essen so genossen! Allerdings war ich die ganze Woche zu Hause und ich weiß nicht ob ich eine Arbeitswoche ohne Kohlenhydrate überleben würde. Der Selbstversuch begann heute, und endete mit einer Handvoll Nudeln zum Abendessen.

Es steht und fällt eben mit dem was zu Hause ist. Den Gemüsehändler habe ich nicht mehr zu seinen Öffnungszeiten angetroffen, also musste ich nehmen was im Küchenschrank ist. So wirklich genossen habe ich meine Nudeln zu meinem Schrecken leider nicht. Wie enttäuschend (und ich BIN ein Nudeljunkie, seit Jahren, schon immer, mit Leib und Seele – ich habe fast das Gefühl einen Freund zu betrügen). Ich weiß gar nicht recht warum ich das rohfutternde Dasein angefangen habe, aber es tat gut und vielleicht halte ich es ja noch etwas aus.

Ich bin gespannt was sich die Generation nach uns einfallen lässt. Ich denke die besten Grundsteine für eine Revolution zu mehr Fleisch werden gerade von meinen Artgenossen gelegt. Meine Freundin fragt vor wenigen Tagen ihre Tochter im Supermarkt ob sie zum Mittagessen Spinat oder Zucchini kochen soll, Nudeln seien noch da. Ihre Tochter reagierte nicht und meine Freundin wiederholte sich. Als der Zögling sie noch immer zu ignorieren schien und offensichtlich in Gedanken mit anderen Dingen als der wichtigen und drängenden Frage beschäftigt schien, wurde meine Freundin ungehalten. Sie hockte sich vor den Kinderwagen, nahm den Schnuller aus dem Mund und sagte zu ihrem einjährigen(!) + irgendwas Knirps: „Hör mal, ich nehm dir mal eben den Nucki aus dem Mund weil Mama eine Antwort von dir braucht. Spinat oder Zucchini? Was möchtest du? Was soll ich kochen? Ich muss das jetzt hier einkaufen“ (Sekunden später) „SPINAT ODER ZUCCHINI?“ Ach ja, das sind die Momente in denen ich mich zu Kindertischen und es-wird-gegessen-was-auf-den-Tisch-kommt zurücksehne während ich meine Klappe halte um meine Freundin und wirklich tolle Mutter nicht zu fragen ob ihre Tochter wirklich schon eine Entscheidung treffen muss, die mich erwachsene Frau regelmäßig zum Wahnsinn treibt.

In diesem Sinne, fröhliches Karotten beißen und bis bald!

Eure Lina

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