Boringville und Schlussmachhausen

Wer hat diese Aussagen noch nicht gehört, oder wahrscheinlich selbst schon zum Besten gegeben? Es ist perfekt, ich bin so glücklich wie noch nie!“,… und daher ist es das Beste wenn wir uns trennen.“  Man kann diese Aussagen von verschiedenen Menschen an einem Wochenende hören, aber üblicherweise liegen zwischen diesen Aussagen einige Jahre. Der Ablauf ist doch immer sehr ähnlich. Irgendwo zwischen Geborgenheit und Freiheit schlägt das Sehnsuchtsbarometer extrem in eine Richtung, bleibt das andere auf der Strecke und das heftige Gegensteuern stellt das Leben auf den Kopf.

Wenn man alleine ist wirkt das Leben oft intensiver, aber auch etwas zu aufregend, unstetig, und härter, warum es für die meisten Menschen nicht als dauerhaftes Lebenskonzept in Frage kommt. Dann findet man Mr. oder Mrs. Right und die Zweisamkeit wirkt wie der Himmel auf Erden. Dann braucht es etwas, wofür man vielleicht eine fundierte Ausbildung benötigt, um es nicht wie wir alle auf dem langen Weg gescheiterter Beziehungen lernen zu müssen. Ich denke nur die wenigsten sind Naturtalente, die es einfach von Anfang an richtig machen:

Von der Kunst, frei und geborgen zu sein.

Wenn Beziehungen zu Ende gehen, finden viele Menschen wieder zu sich und ihrer Individualität zurück. Sie beginnen Französischkurse, fangen an wieder auszugehen, und gehen ihren lange in Vergessenheit geratenen Hobbys nach. Warum gelingt es nicht diese Individualität in der Beziehung auszuleben? Warum braucht es diesen Bruch um das zu tun wofür man sich begeistert, vielleicht sogar um der Mensch zu sein der man (geworden) ist? Warum sitzt meine frisch getrennte Freundin vor mir und sagt mir, dass sie sich schon viele Jahre nicht so lebendig gefühlt hat wie heute, wieder alleine?

Mit der Zweisamkeit kommt die Geborgenheit. Das bedeutet, dass da ein Mensch ist, der mich liebt, versteht, dem ich nichts beweisen muss, der sich um mich kümmert. Es gibt eine große Vertrautheit und Wärme, und das ist wunderbar. Mit dieser Basis im Rücken kann man Krisen meistern und Stärke tanken. Doch die Geborgenheit bringt leider ihre falschen Freunde mit; und die heißen Bequemlichkeit und Langeweile. Und diese beiden können wichtige Seiten in uns unterdrücken, die wir genauso brauchen um unser Leben zu lieben. Eigentlich gefällt uns das nicht, aber die Gewohnheit und Bequemlichkeit sind oft zu verführerisch.

So vergessen wir manchmal den Französischkurs, unsere Hobbys, dass wir noch immer für uns und unsere Bedürfnisse verantwortlich sind, und nicht unser Partner, dem wir das nur allzu gerne in die Schuhe schieben wenn es uns nicht gut geht. Und dann kann es noch schlimmer werden. Dieses die-Dinge-geschehen-lassen führt dazu dass wir uns nicht nur mit uns selbst langweilen, sondern auch den anderen fürchterlich langweilen. Und irgendwann ist alles erloschen.

Weniger Austausch, weniger Erleben, weniger Liebe… und es braucht den großen Knall um sich lebendig zu fühlen.

Ich habe schon glückliche oder notwenige Trennungen gesehen, manchmal passt es einfach nicht (mehr) – doch eine andere Seite der Geschichte beschäftigt mich heute mehr. Man lernt dass es etwas anderes als die falsche Besetzung sein muss, wenn sich Geschichten wiederholen. Dabei wird man nur alt. Unruhe im bequemen Leben führt dazu wieder spannender zu sein. Lasst uns also Gewohnheiten brechen und keine Konflikte scheuen. Sonst sitzen wir nur im Zug nach Boringville und Schlussmachhausen. Und das ist nur der Bahnhof in dem ganz viele Züge nach Nextroundplease gehen, und nur ein paar wenige nach dem wirklichen Mr-und-Mrs-Right.

Auf die Freiheit in Geborgenheit!

Eure Lina

Ein Gedanke zu “Boringville und Schlussmachhausen

  1. Es ist wirklich eine Kunst sich selbst und auch den Partner in einer Beziehung nicht zu vergessen. Sich weiterzuentwickeln und sich dabei gleichzeitig nicht voneinander zu entfernen.
    Schade, dass der Alltag einen dann doch so oft vor dem Fernseher versumpfen lässt und die meisten spannenden Aktivitäten draußen, außerhalb der Komfortzone stattfinden.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s