Wochenveganer

Nun ist es schon fast ein Monat her, dass ich das rohfutternde Dasein für mich entdeckt habe… und ich bin noch immer sehr glücklich damit. Es hat sich nun so eingespielt, dass ich vor allem in der Woche meine Ernährung auf frische Dinge beschränke. Wirklich vegan darf ich das wohl nicht bezeichnen, denn Hüttenkäse und Naturjogurt sind häufig dabei. Aber im Zentrum stehen die frischen und bunten Dinge, von Beeren über Obst bis Gurke, alles lecker. Leider hat sich etwas eingespielt, dass sich ab und an auch so Dinge wie Mozzarella einschleichen – das sollte ich wohl nicht übertreiben. Aber diese Kombination aus Gurke, Radieschen, Mozzarella, und einen ordentlichen Schlag Olivenöl dazu,… das war schon hervorragend! Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen, aber die Reste haben es hergegeben. Und lecker wars!!!

Am Wochenende haben wir diese herrlichen Rituale, die ich ein Stück weit aufgeben müsste, wenn ich auch dann auf das Rohköstlern bestehen würde. Wir gehen zu unserem Bäcker um die Ecke, gönnen uns ein Croissant und Mehrkornbrötchen, suchen uns beim Kochhaus aus was wir abends gemeinsam kochen, essen bei dem Mexikaner um die Ecke, bestellen Sushi, oder entscheiden uns gleich für den Döner um die (andere) Ecke. Ich trinke am Wochenende auch gerne mal ein Bier, Sekt oder Wein. Da ich das alles weiter möchte, mache ich das auch weiter so – am Wochenende. Ich finde das auch in Ordnung, da ich meinem Körper so wieder andere Inhalte anbiete, die mir sonst vielleicht fehlen könnten und mir vielleicht helfen, erst gar nicht in eine Mangelernährung zu rutschen.

Döner für eine ausgewogene Ernährung!!!? Darüber sollte ich ein Buch schreiben!

Ich merke aber schon, wie ich auch am Wochenende anfange immer wieder kleine Schlupflöcher zu finden und mich, zum Beispiel, um das klassische Frühstück herumschleiche. Am Sonntag hatte ich kein Croissant für mich mitgebracht und stattdessen einen Teller mit Obst vor dem Dinkelvollkornbrötchen gegessen. Dies hat mir mitleidige Blicke von meinem Mann eingebracht… Doch nicht nur das! Da war noch etwas anderes was mitgesendet wurde… Anerkennung! Toll. Ich bekomme Anerkennung dafür, dass ich auf das leckere Croissant verzichte und stattdessen an meinem Obst und Körnchen herum kaue, obwohl mir das Zweite tatsächlich lieber ist? Ich zeige nach außen Selbstdisziplin und kann mein Luxusessen genießen? Was für eine tolle Geschichte. Das wird immer besser. Hervorragend.

Heute morgen saßen wir dann zusammen bei unserem mittlerweile üblichen Wochen-Frühstück. Mein Mann findet meine Ernährungsumstellung sehr unproblematisch. Wahrscheinlich da ich ihn vergnügt auf seinem Nutella-Toast herum kauen lasse während ich ohne jeglichen Missionierungsgedanken meinen Obstteller esse. Vielleicht auch weil ich mich verändere. Wahrscheinlich ist es das. Ich war nicht übergewichtig, immer im Normalgewicht, doch besser geht ja immer… und einen Nudelbauch hat man auch im Normalgewicht.

Letzte Woche gab es an einem Tag ein schnelles, gemeinsames Mittagessen zu Hause. Das bedeutete für ihn eine leckere Tiefkühlpizza Spezial, und für mich ein Teller mit Avocado, Hüttenkäse, Kürbiskernen, Heidelbeeren, und sogar ein paar Erdbeeren die noch übrig waren. Wir setzen uns an den Tisch, er schaut hin und her. Sein Teller, mein Teller, er seufzt.

Ich wurde nervös. Hatte er es etwa auf meinen Teller abgesehen? Wird er sich beschweren, dass ich ihm den ungesunden Frass aus dem Gefrierfach vorwerfe, während ich ganz nach Alice-im-Schlaraffenland-Art alle Köstlichkeiten unserer Küche verdrücke?

Ich war innerlich schon bereit als Friedensangebot meine Erdbeeren herzugeben, als er sagt: „Puh, möchte ich nicht tauschen!“ – Was?, Hatte er NICHT tauschen gesagt? – Ich entspannte mich schon etwas, als er mir einen Kuss gibt und sagt: „Ach, du bist aber auch so tapfer. Wie du das durchziehst!“ Seufzend, nickend, sogleich einen wissenden Eindruck machend über die großen Entbehrungen sage ich noch – „Du Schatz?“ – „Mh?“ – „Das ist leider aber auch alles echt teuer. Beim Gemüsehändler komme ich nie unter 20 Euro weg, und das reicht dann vielleicht 2 Tage. Ich mache mir echt Sorgen, dass das zu viel ist.“ – Doch der Mann weiß seine Frau zu unterstützen und sagt: „Ach was, das ist doch gut angelegt! Mach dir keine Gedanken!“

Und so machen wir uns über das Essen her. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann essen sie noch immer glücklich und zufrieden ihr Traumessen in Nutellaville und Avokadoland.

Bleibt glücklich!

Eure Lina


P.s. Zu dem Gespräch über das teuere Leben – Bitte macht euch keine Sorgen, dass ich eine Frau bin, die nach Haushaltsgeld fragen muss. Ich verdiene selbst mein Geld, für den Gemüsehändler und alles andere.

P.p.s. Zu meiner Veränderung: Weniger Nudelbauch, mehr Augen! Das ist so verrückt, dass ich das nur hier ganz unten hin schreiben konnte. Meine Augen sind größer! Wacher! … ehrlich! Ich liebe es und freue mich über den neuen Blick im Spiegel, denn meine Augen waren meist klein und müde.

2 Gedanken zu “Wochenveganer

  1. Fettnapftante schreibt:

    Guten morgen awwokado,
    dein Körper signalisiert dir nach einem Monat schon was er braucht und was er mag, freu dich das du auf ihn hörst.
    Guten Appetit 🙂
    Grüßle Chrissi

    Gefällt 1 Person

  2. Spitze, wie dein Mann seine tapfere Frau unterstützt! 🙂 und vorallem, klasse, dass Du so gefallen an deiner Ernährungsweise gefunden hast.
    Seit ein paar Wochen frühstücke ich jeden Tag eine Schüssel Porridge mit Obst, kein Toastbrotkrams mehr, und kann dir nur beipflichten, wie toll man sich fühlt, wenn man etwas gefunden hat was einem gut tut und schmeckt.

    Gefällt 1 Person

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