Frauensache

Kennt ihr das Gefühl wenn ihr euch selbst dabei zusehen könnt, wie ihr mal wieder in die üblichen Fallen tappt? Eigentlich kennt man ja die eigenen Schwächen schon ganz gut, schade nur dass es nicht unbedingt heißt etwas daran ändern zu können. Manche Schwächen liegen in der Persönlichkeit, andere – wir können es drehen und wenden wie wir wollen – liegen tief verwurzelt in unseren Mann- oder eben Frau-Genen. Ich finde es immer wieder faszinierend welche Muster sich bei Männern wie Frauen immer wieder durchsetzen. Ob kulturell bedingt oder einprogrammiert, es ist wie es ist. Immer wieder stelle ich sie fest, in meiner Umgebung, bei mir – und frei machen kann man sich nur bedingt. Denn kennen heißt eben nicht unbedingt dagegen angehen können, aber bewusst machen hilft! Ja, ich mache damit wieder die Gräben zwischen Männern und Frauen auf, und vielleicht wirkt es wie ein antiquiertes Frauenbild, das es heute einfach kaum noch gibt. In diesem Fall sage ich Juchhu! und freue mich. Doch meine Erfahrungen sind anders, die Fallen lauern noch!

Und daher schreibe ich nun diese Zeilen, für euch, für mich, und um sie mir in schwachen Momenten immer wieder selbst laut zuzuwerfen:


1. Trau dir was zu, glaub an dich

Ich höre immer wieder hochqualifizierte Frauen sagen, dass sie ja mit dem Medium-Job völlig zufrieden sind. Sie brauchen nicht mehr und das genügt ja auch. Ich finde es prima zufrieden zu sein und nicht völlig Karriere-gesteuert. Auch mein Leben hat andere Aspekte als den Job. ABER: Es darf nicht daran liegen, dass wir uns nicht zutrauen was wir können! Auf den zweiten Blick ist das häufig der wahre Grund für das Setzen kleinerer Ziele. Wir sagen „Das ist nichts für uns!“ und denken tatsächlich: „Das könnte ich gar nicht! Wenn ich den Job hätte, würden es alle merken, und sehen wie ich versagen würde!“ Männer denken das nie und trauen sich mehr! Es gibt Studien die besagen, dass man irgendwann in der Karriereleiter den Job erreicht hat in dem man überfordert ist. Ich schätze mal, dass diese Studie ein riesigen Anteil männlicher Mitarbeiter im Datensatz hatte. Denn meine Hypothese ist: Frauen hören tendenziell eine Karrierestufe unter dem auf was sie eigentlich könnten!

2. Fordere ein was du möchtest

Ein Studienkollege hatte ein Jobangebot. Nein, es war DAS Jobangebot seines Lebens. Als der anstrengende Bewerbungsprozess und die Vorstellung in der Traumfirma erfolgreich durchgestanden war, bekam er ein Angebot. Wie kann man nur so viel Glück haben! Das was er immer wollte! Herrlich. Doch das Gehalt war nur „in Ordnung“ und er dachte: Da geht noch mehr! Also nahm er sich vor, im anstehenden Gespräch am Telefon der Traumfirma genau das zu sagen. Ich war entsetzt und hatte den großen Impuls ihn mit allem was mir zur Verfügung stand davon abzuhalten! Er hat es geschafft, der Job seines Lebens, und er hat nichts besseres zu tun als über das Gehalt zu meckern (das wirklich nicht jenseits von allem üblichen war!)? Der Anruf kam, ich stand daneben, und hörte ihn sagen: „Mit dem Gehalt bin ich nicht zufrieden, ich hatte mir mehr vorgestellt.“  – Mein Magen drehte sich um. Er nannte eine Zahl und lag auf. Der Betrag lag über dem was möglich war, aber sie wollten es sich überlegen und sehen, ob sie noch was tun können. Am Ende wurde sich auf ein höheres Gehalt dazwischen geeinigt. Und dies war eine der Erklärungen warum Männer mehr verdienen als Frauen! Männer kommunizieren und fordern ein was sie möchten, denn versuchen kann man es ja mal zumindest. Bei Frauen geht das häufig nicht durch den ersten inneren Check, der ihnen sagt, dass sie gar nicht in der Position seien das einfordern zu dürfen! Oder auch es sei „nicht wichtig“. Also lassen sie es bleiben, und so manche Gelegenheit bleibt ungenützt das zu bekommen was man möchte.

3. Stehe zu dem was du denkst

In Meetings und Diskussionen, wenn jemand ständig widerspricht, die eigenen Argumente seziert und zunichte macht gilt: Nicht einschüchtern lassen! Häufig sind Frauen erst gleich sehr viel stiller in Meetings. Was sicher auch daran liegt, dass Männer häufig viel Schaum schlagen müssen. Sie wollen zeigen, dass sie auch etwas dazu zu sagen haben und was ihnen noch dazu einfällt. Wie hatte Hannah Arendt es so schön gesagt: „Männer wollen immer so furchtbar gern wirken!“ Das macht Meetings manchmal reichlich ineffizient. Wir müssen nicht zu allem unseren Kommentar abgeben. Aber, ihr lieben Frauen, wir müssen uns eine Meinung bilden und dazu stehen! Manchmal glaube ich machen wir es uns etwas zu bequem in unserem bescheidenen es-ist-alles-nicht-so-wichtig Land. Entweder, oder! Ich sage: Mitmachen, Meinung bilden, und rein in die Diskussion!

4. Konflikte sind nicht gleichbedeutend mit Kritik an deiner Person

Eine Diskussion mit dem Chef über einzuhaltende Deadlines und die Nachfrage warum Aufgabe xy noch nicht fertig ist. Oft habe ich mich in solchen Situationen dabei ertappt wie sich eine Verletzung breit macht, ein Stich in den Magen und das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden. Was beschwert Chef sich über Aufgabe xy wo ich doch den ganzen Tag nichts anderes mache als zu arbeiten!? Und den Kram a bis w hab ich ihm ja schon pünktlich vom Hals gehalten! Der Stress- und Emotionspegel steigt, und die Antwort wird patzig. Dabei geht es ihm (meist) nur um Abfrage von Information, um zu wissen woran er ist und ob es irgendwo hakt; während in uns Frauen schon das Programm ich-bin-noch-immer-nicht-gut-genug-oder-was-? abfährt. Es sollte nichts weiter sein als arbeiten an einem Problem, und nicht Rechtfertigung und Verteidigung meiner Person! Mit der Aussage „da läuft es wohl gerade nicht!“ ist nicht gemeint „du bekommst ja gar nichts auf die Kette!“. Reaktion eines Mannes: „Da kümmere ich mich drum wenn ich Zeit hab!“

5. Wir haben nicht das Monopol auf die Weisheiten über unsere Beziehungen

Wir Frauen denken doch eigentlich wir haben die Beziehungsweisheiten mit Löffeln gefressen. Vielleicht weil wir so viel darüber reden, schreiben, und lesen. Es ist auch so, dass wir uns offensichtlicher damit auseinandersetzen. Aber lasst uns ab und zu mal die andere Seite sehen. Vielleicht übersehen wir auch mal wichtiges und wissen gar nicht wie wir selbst wahrgenommen werden. Manchmal denke ich, dass wir reichlich arrogant sein können wenn es darum geht zu bewerten was gerade passiert. Eigentlich haben wir doch immer Recht und Männer keine Ahnung. ; )


Ich mag es, wie wir Frauen unaufgeregt alles mögliche in unserem Leben abarbeiten und managen und nicht für jede Kleinigkeit eine Durchsage machen müssen. Aber manchmal möchte ich mir in Erinnerung rufen, dass unsere Bescheidenheit, Unaufgeregtheit und Emotionalität auch zur Folge haben kann, dass wir untergehen; ob im Job oder in Beziehungen. Daran soll mich dieser Beitrag erinnern.

Achtet auf euch!

Eure Lina

5 Gedanken zu “Frauensache

  1. dietine31 schreibt:

    Hi Lina,

    Toller Beitrag.
    Ich habe zu dem Thema mal folgendes Buch gelesen „Spiele mit der Macht“.
    http://www.amazon.de/Spiele-mit-Macht-durchsetzen-Wirtschaft/dp/3455500277

    Tatsächlich sollte „frau“ diese Situationen eher als ein Spiel sehen und nicht als einen persönlichen Kampf. Mir hat dieses Buch in meinem Büroalltag sehr geholfen, da ich ein besseres Verständnis für die Arbeitsweise meiner männlichen Kollegen aufgebaut habe.

    Tükisch ist allerdings, wenn „frau“ mitspielt und auch noch das Spiel anführt. Sobald wir es persönlich nehmen, haben wir nämlich schon verloren und auch wenn wir das nicht tun, spielen Männer diese Karte gerne aus:
    – Oh, bist du heute zickig. ….
    – Nimm das bitte nicht persönlich…
    Dies sind Sätze die Männer gerne auf ein sachliches Argument erwidern, nur um die Teilnehmer eines Meetings davon zu überzeugen, dass das vorher gesagt von einer hormongesteuerten Frau geäußert wurde, die ja nur nach Intuition und nicht nach erworbenen Erkenntnissen handelt.

    Ich konnte es sehr gut beobachten und habe mir das eine Zeit lang detailiert notiert. Die Kollegen, die so gearbeitet haben, sind sehr verstört, wenn man darauf kontert und oft hört man den Rest des Meetings nichts mehr von der Seite.

    In diesem Sinne – Frauen an die Macht 😉

    Gruß und Kuss – Die Tine

    Gefällt mir

    • Hallo Tine, vielen Dank für den Buchtipp! Liest sich spannend und werde ich mir gleich heute Abend auf meinem Tablet in der Kindle-Version einkaufen. Ich mag die Analogie es als Spiel zu sehen statt einen persönlichen Kampf sehr!
      Danke für deine spannenden Gedanken und Einsichten dazu! Meine Gedanken zielten vor allem darauf ab über unseren eigenen Beitrag in der Geschichte nachzudenken – aber oh ja, wie wahr: wenn Frauen ungemütlich werden, sind sie schwierig, zickig und emotional; Männer verdienen sich damit im Zweifel Respekt. Spannend, dass du dir die Situationen notiert hast. Die Idee hätte von mir sein können. : )
      Auf uns Frauen! Lina

      Gefällt 1 Person

      • dietine31 schreibt:

        Danke. Das Buch wird dir Freude bereiten. Noch ein netter Witz zum Thema:

        TOP MANAGER: Ein Unternehmen hat seine Spitzenleute auf ein teures Seminar geschickt. Sie sollen lernen, auch in ungewohnten Situationen Lösungen zu erarbeiten.
        Am zweiten Tag wird einer Gruppe von Managern die Aufgabe gestellt, die Höhe einer Fahnenstange zu messen.
        Sie beschaffen sich also eine Leiter und ein Bandmaß. Die Leiter ist aber zu kurz, also holen sie einen Tisch, auf den sie die Leiter stellen.
        Es reicht immer noch nicht. Sie stellen einen Stuhl auf den Tisch, aber immer wiederfällt der Aufbau um.
        Alle reden durcheinander. jeder hat andere Vorschläge zur Lösung des Problems.
        Eine Frau kommt vorbei, sieht sich das Treiben an. Dann zieht sie wortlos die Fahnenstange aus dem Boden, legt sie auf die Erde, nimmt das Bandmaß, misst die Stange von einem Ende zum anderen, schreibt das Ergebnis auf einen Zettel und drückt ihn zusammen mit dem Bandmaß einem der Männer in die Hand und geht weiter.
        Kaum ist sie um die Ecke, sagt einer der Top-Manager: „Das war wieder typisch Frau! Wir müssen die Höhe der Stange wissen und sie misst die Länge! Deshalb lassen wir weibliche Mitarbeiter auch nicht in den Vorstand.“

        Gefällt 1 Person

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